J. Cunha und die grafische Vorstellung von Bahia
Origins
J. Cunha, 1948 in Salvador, Bahia, als Jose Antonio Cunha geboren, gehört zu einer Linie brasilianischer Künstler, für die Image, öffentliche Kultur und visuelle Identität nicht zu trennen sind. Die Paulo Darze Gallery identifiziert ihn als Maler, aber seine Praxis erstreckt sich über mehrere Bereiche: Bildende Kunst, Grafikdesign, Szenografie, Kostümdesign, Illustration, Albumcover, Drucke, Konzertsäle und große öffentliche Veranstaltungen. Er begann im Alter von achtzehn Jahren in einem offenen Kurs an der Bahia Fine Arts School zu studieren und nahm später an Biennalen, Einzelausstellungen und Gemeinschaftsausstellungen in Brasilien und im Ausland teil. Zu den von der Galerie zitierten Veranstaltungen gehören The Refugee Project im African Art Museum in New York im Jahr 1997, die Internationale Designbiennale in Saint-Etienne, Design Brasileiro – Fronteiras 2009 im Museu de Arte Moderna de Sao Paulo und die Einzelausstellung Uanga: J. Cunha im Museu de Arte Moderna da Bahia. See also J. Cunha und der Tropicalismo seiner Karnevalsleinwand.
Die vier ausgewählten Werke machen deutlich, warum seine Bildsprache so eng mit der afro-bahianischen Identität und dem Volksfest verbunden wurde. Auf einem Bild wird aus symmetrischen Bändern, Augen, Dreiecken, Punkten, Muscheln, roten Lippen und einem tiefblauen Grund ein monumentales Gesicht aufgebaut. Es hat die frontale Kraft einer Maske und die Präzision grafischen Designs, aber es trägt auch die Wärme eines handgemalten Ornaments in sich. Ein weiteres Werk, das Ilê Aiyê gewidmet ist und den Stolz darauf zum Ausdruck bringt, Schwarz zu sein, verwandelt Typografie, Muster, Datum, Emblem und Farbe in ein kompaktes visuelles Manifest. Das Bild ist nicht nur dekorativ. Es fungiert als öffentliches Zeichen, als Banner und als Ausdruck der kulturellen Zugehörigkeit. See also Raul Córdula und die Geometrie des Feuers.

Public collections
Laut der Galerie zeichnet sich Cunhas Werk durch einen tiefen Einblick in die afro-indigenen und populären Kulturen Nordostbrasiliens aus, die er erforscht, aufnimmt und in ein persönliches Universum verwandelt, das mythisch, magisch, symbolisch und intuitiv ist. Diese Beschreibung wird insbesondere in den beiden hier enthaltenen musterbasierten Arbeiten deutlich. Ihre Flächen sind wie dichte textile Felder organisiert: Rechtecke, Bordüren, Sterne, florale Formen, Pfeile, Muscheln und geometrische Module fügen sich zu einem visuellen Rhythmus zusammen. Durch die Wiederholung wird das Bild nicht flacher. Stattdessen erzeugt es Bewegung, wie Perkussion, übersetzt in Farbe und Linie. Die Gemälde suggerieren Stoffe, Karnevalsbanner, heilige Embleme, architektonische Ornamente und grafische Systeme zugleich.

Für CASCA ist J. Cunha wichtig, weil seine Karriere zeigt, wie Malerei über die Galeriewand hinausgehen kann, ohne künstlerische Komplexität zu verlieren. Sein Name ist definitiv mit dem Karneval in Salvador verbunden, da er mehr als 25 Jahre lang die visuelle und ästhetische Konzeption des Blocks Ile Aiye sowie thematische Dekorationen für den Straßenkarneval entworfen und geprägt hat. Dieses lange öffentliche Engagement verleiht seiner Arbeit eine besondere Kraft: Sie ist sowohl autoritär als auch kollektiv, sowohl studiobasiert als auch bürgerschaftlich. In diesen Bildern werden Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Grün und Weiß zu einer Grammatik der Sichtbarkeit. Cunha verwandelt Zeichen der afro-bahianischen Erinnerung in Gemälde, die sofort lesbar und unendlich aktiv sind und in denen Identität durch Muster, Stolz, Rhythmus und Erfindungsreichtum aufgebaut wird.
