Amanda Nunes, O Mito das Almas Gemeas, acrylic on canvas, 2022 by CASCA Archive artist, approved editorial image
Titelbild zu "Amanda Nunes und der Altar des profanen Körpers".

Amanda Nunes und der Altar des profanen Körpers

Origins

Amanda Nunes baut eine Malpraxis auf, in der Glaube, Kritik und Abstammung untrennbar miteinander verbunden sind. Aufgewachsen zwischen Ceilândia, Ceará und der intensiven Disziplin des christlichen Missionslebens, verwandelt sie religiöse Erinnerungen eher in Material für visuelle Erfindungen als für Gehorsam. Ihre Arbeit ist geprägt von der im ISMO-Interview genannten Spannung: zwischen dem Heiligen und dem Profanen, zwischen dem Altar und dem Körper, den Institutionen zu disziplinieren versucht haben. Nunes lehnt die religiöse Welt, die sie geformt hat, nicht einfach ab. Sie überarbeitet es, indem sie aus dem populären Katholizismus, der afro-diasporischen Spiritualität, dem Tarot, der Traumlogik und dem alltäglichen Überleben eine Sprache von Symbolen entnimmt, die sowohl Wunde als auch Wunder beinhalten kann. Die Bilder wirken hingebungsvoll, aber ihre Hingabe ist auf die Freiheit gerichtet. Sie machen den Glauben zu einer Antwort auf gelebte Erfahrung und Erinnerung. See also Cordel passt nicht in Schubladen: Marina Nabuco über das lebendige Archiv des Instituto Brincante.

Die auf der Seite versammelten Werke zeigen einen Maler, der sich zutiefst der symbolischen Dichte verschrieben hat. Titel wie „Lázaro“, „Coroação de Maria“, „O Diabo“, „A Imperatriz“ und „Mistério do Planeta“ offenbaren ihr Interesse an Archetyp, Erscheinung und Schwelle. In den Bildern tauchen immer wieder graue Körper auf, oft umgeben von Blumen, Portalen, Sonnen, Monden, Wasser, Tieren, Flammen, häuslicher Fülle oder hingebungsvollen Gesten. Dieses Grau ist nicht neutral. Im Interview verbindet Nunes dies mit der Erfahrung, in einem ethnischen Grenzland zu leben, einem rassistischen Schwebezustand, der sich einer einfachen Klassifizierung verweigert. Ihre Figuren wirken daher weniger wie Porträts als vielmehr wie Entitäten: Präsenzen, die von Erinnerung, Glaube, Widerspruch und Selbstschutz geprägt sind. See also Gabriel Archanjo und die Figur als Feld des Widerstands.

Amanda Nunes und der Altar des profanen Körpers, photograph
Amanda Nunes, Lazaro, Acryl auf Leinwand, 100 x 160 cm, 2022

Practice and materials

Was Nunes‘ Werk besonders kraftvoll macht, ist die Art und Weise, wie es das sakralisiert, was in der vorherrschenden religiösen Sprache oft als profan behandelt wurde. Der nackte Körper, das periphere Zuhause, der volle Einkaufswagen, der Tisch, die Straße, die Wunde, der Wunsch zu überleben: alles kann zum heiligen Boden werden. Ihre Bilder basieren auf naiven, populären, heiligen und surrealistischen Vokabeln, lassen sich jedoch nicht in der Folklore nieder. Dafür sind sie psychisch zu sehr belastet. Jedes Bild funktioniert wie eine kleine Kosmologie, in der Objekte als Zeichen fungieren und Zeichen emotionale Konsequenzen haben. Das Ergebnis ist ein visuelles System, das gleichzeitig intim, theatralisch und politisch ist.

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Amanda Nunes, Coroacao de Maria, Acryl auf Leinwand, 80 x 120 cm, 2022

Nunes begann 2019 mit der Malerei und nutzte schnell das Internet, um über die traditionellen Zugangswege hinaus Sichtbarkeit aufzubauen. Ihre Laufbahn weitete sich auch auf großformatige Werke und urbane Kontexte aus, darunter „Terra para quem nela vive e trabalha“ und „Desbravar“, blieb jedoch in derselben symbolischen Grammatik verwurzelt. Für CASCA ist Amanda Nunes wichtig, weil sie einer schwarzen, peripheren, afro-lateinamerikanischen und postreligiösen Vorstellungskraft Form verleiht, ohne einen dieser Begriffe zu verflachen. Ihre Bilder verwandeln den persönlichen Bruch in eine gemeinsame Ikonographie. Sie fragen, wer glauben darf, wer Bild sein darf und welche Formen der Schönheit möglich werden, wenn der profane Körper seinen eigenen Altar baut. In ihren Händen wird die Malerei zu einer Kapelle des Widerspruchs, der Zärtlichkeit, der Revolte und der Rückkehr. Es hält den Altar offen.

Amanda Nunes und der Altar des profanen Körpers, photograph
Amanda Nunes, O Diabo, Acryl auf Leinwand, 80 x 120 cm, 2022
Amanda Nunes und der Altar des profanen Körpers, photograph
Amanda Nunes, A Imperatriz, Acryl auf Leinwand, 80 x 120 cm, 2022
Amanda Nunes und der Altar des profanen Körpers, photograph
Amanda Nunes, Delirium Tremens, Acryl auf Leinwand, 2023
Amanda Nunes und der Altar des profanen Körpers, photograph
Amanda Nunes, Minhas Memorias Sao Minhas Guias und Me Salvam Todas As Manhas, 2024
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Amanda Nunes, Abschlussbericht, 2024

Victor Yves ist ein brasilianischer Grafikdesigner und Art Director mit Sitz in Toronto. Er arbeitet in den Bereichen Editorial Design, Branding und visuelle Kultur und ist Gründer des CASCA Archive, einer fortlaufenden Forschungsplattform zum grafischen Gedächtnis Nordostbrasiliens. [email protected] Mehr erfahren